2024年秋ドイツ出張〜Day 4/ Tag 4
Day 4/ Tag 4 この日はハイデルベルク大学、ドイツ社会学会文化社会学部会内歴史社会学研究会の年次大会に役員として参加するために、ボンからハイデルベルクに移動。主催者(幹事会)の最年長者として、私が開会の辞を述べる予定だった。散髪もし、メガネもフレームが新しくなって準備万端。大会の開催は午後からなので定刻どおりであれば、午後からの大会には楽々間に合うはずだった。いつものパン屋で朝食 フランクフルト空港駅の乗換がすでに1時間遅延 ……しかし、ドイツ鉄道を甘く見ていた。乗換駅であるフランクフルト空港駅でハイデルベルクを経由して、ミュンヘンに向かうICEは1時間近く遅れていたが、ダルムシュタットまで来たところで(ミュンヘンまでの)遅れを取り戻すため、ハイデルベルクではなくマンハイムから高速区間に入るというアナウンスがあった、しかも一回マインツまで引き返してマンハイムに向かうという……ダルムシュタットからマンハイムまでなぜ1時間以上わざわざかけていくのかは普通の人であれば理解は不可能であろう。ダルムシュタット(Darmstadt)、マンハイム(Mannheim)、マインツ(Mainz),ハイデルベルク(Heidelberg)の位置関係。 結局、ドイツ鉄道が2時間以上遅延したので、予定された時間に間に合わなくなってしまった(泣)。仕方がないので開会の辞は準備したテキストを他の役員にメールで送って読み上げてもらった。後で出席していた日本の若手研究者には、「君にはかっこいいところを見せたかったんだけどなぁ」というのが精一杯(泣)。キーノートレクチャー(イヴニングレクチャー)にはシカゴ大学から有名人、ジュリアン・ゴー(Julian Go)教授が来た。ハイデルベルク大学社会学研究所の建物(左) マックス・ヴェーバー研究所という(右)大会プログラム(左) キーノートレクチャーの様子(右) なお夕食(懇親会)はイタリアンレストランで、トリュフパスタを食べた。美味しかったし、日本で食べるよりリーズナブルな値段だが、あのイタリアで食べたトリュフの味は今でも忘れられない。ホテルは中央駅の近くのあまりいい感じじゃない地域にあるホテル。シャワーの排水が詰まって、水があふれ出してしまった。なんか今回の滞在はホテルには恵まれていない……トリュフパスタ ホテルは一軒小綺麗そうだったのだが…… ハイデルベルクに来るのは2013年以来。任期付とはいえ教授公募の面接まで残っていた。あの時あのポストがとれていれば、今頃日本に帰って、今の職場で無駄な苦労をする必要はなかった(泣)。今から思い返すとあれがドイツで教授ポストをとる最大のチャンスだった。社会学でなく、トランスカルチャルスタディズで、しかも任期付のポストだったので「今回はとれなくてもいいや」などと甘い考えだったのがまちがいだった。ドイツの教授ポスト公募は研究報告、委員会との面接、学生代表との懇談の3つから成り立っている。研究報告と質疑応答が上手くいったので、その後の面接は形式的なものとして軽んじたのがいけなかったかも知れない。幸運の女神は前髪しか生えていないというのはよくいったもの。 なお以下は私の大会挨拶の草稿。ドイツ語ですが、日本語オンリーの方はグーグル翻訳などを利用してみてください。Vorrede zur zweiten Jahrestagung des Arbeitskreises Historische SoziologieT.M. Unser Arbeitskreis Historische Soziologie wurde im Jahre 2022 gegründet. In demselben und im darauf folgenden Jahr haben wir die Gründungstagung zum Thema „Aufgaben historischer Soziologie“ in Bielefeld bzw. die erste Jahrestagung „Kontinuität und Permanenz: Phänomene sozialer Dauer in Zeiten proklamierten Wandels“ in Berlin organisiert. Dieses Jahr haben wir uns dafür entschieden, die zweite Jahrestagung bewusst themenoffen zu halten, um möglichst viele Kollegen und Kolleginnen mit möglichst breiten Themenspektren anzusprechen und ins Boot zu holen.Ein Ziel unseres Arbeitskreises liegt darin, die historische Soziologie, d.h. die Soziologie, die sich mit Ereignissen, Prozessen und Gebilden in Vergangenheit beschäftigt, zu beleben, Forschungen zu fördern und im Fach- und allgemeinen Publikum mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Denn im deutschsprachigen Raum wird sie als Randerscheinung betrachtet. Allerdings müssen wir uns daran erinnern, dass die Soziologie im deutschsprachigen Raum eine reiche Tradition der historisch arbeitenden Soziologie hat, die wiederum aus dem geistes- bzw. kulturwissenschaftlichen Erbe im 19. Jahrhundert entstanden war. Sofort eingefallen sind die Namen Werner Sombart, Max und Alfred Weber, Franz Oppenheimer, Ernst Troeltsch, Alfred von Martin, Hans Freyer, Eduard Heimann, Karl Mannheim und Alfred Müller-Armack. Karl Marx lässt sich auch dazuzählen, sofern er in der deutschen Ideologie die Sozialwissenschaft als Geschichtswissenschaft versteht. Der Kern in diesem Forschungsinteresse heißt: „Warum ist es so und nicht anderes geworden“ (Weber)? Niklas Luhmann schließt mit seinen historisch-wissenssoziologischen Arbeiten an diese Tradition an. Wenn wir den englisch- und französischsprachigen Raum einbeziehen: Spencer, Durkheim, Elias, S.N. Eisenstadt, Randal Collins, Michel Foucault, Michael Mann, Immanuel Wallerstein usw. Die Liste von historisch arbeitenden Soziologen und Soziologinnen scheinen wir beliebig weiter verlängern zu können. Ich fühle mich sogar verführt, zu sagen: Alle großen Soziologen haben historische Arbeiten geschrieben, oder zumindest haben sie mit einem scharfen historischen Sinn gearbeitet. Es ist unumstritten, dass die Geschichte eine der wichtigsten und unersetzlichen Erkenntnisquellen unseres Faches ist. Die soziologische Empirie ist nicht ausschließlich auf Statistiken und Interviews reduzierbar. Schließlich leben wir in einer historischen Welt, die im Lauf der Zeit entstanden ist.Seit der Emergenz der Moderne werden das Interesse an dem Allgemeinen, Standhaften und Unveränderlichen einerseits und das an dem Besonderen, Wandelbaren und Zeitlichen anderseits abwechselnd in den Vordergrund der philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse gestellt. Der Aufklärung und dem Naturalismus folgten die Zeitalter der Romantik und des Historismus. In der Jurisprudenz folgte die historische Schule von Savigny auf die aufklärerische Naturrechtslehre. In der politischen Ökonomie löste die historische Schule die klassische Schule ab. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Aufklärer die Geschichte nie vergessen haben. Das Zeitalter der Aufklärung war keineswegs ein geschichtsloses Jahrhundert. Im Gegenteil: KlassischerTheoretiker der politischen Ökonomie – wie Adam Smith und David Hume – verfügten über eine große Menge des historischen Wissens. Dies änderte sich nicht bei Carl Menger, der sich mit Gustav von Schmoller heftig auseinandersetzte. Er wies lediglich darauf hin, dass die Geschichte nicht die einzige Erkenntnisquelle von Wirtschaftswissenschaften ist und dass alle theoretischen Erkenntnisse nur einen Aspekt des Gegenstandes begreifen können.Die jüngere historische Schule der Nationalökonomie, der die Soziologie im deutschsprachigen Raum bei der Entstehung viel verdankt, war nicht – zumindest nicht alle der Hauptvertreter – von dem Konzept des historischen Entwicklungsgesetzes befangen. Solche Entwicklungsgesetze der Geschichte hegten die ältere historische Schule wie Wilhelm Roscher und Bruno Hildebrand und gehörten in der Zeit Schmollers zur Vergangenheit. Einen solchen Glauben an die historischen Gesetze kritisierte Karl Popper später als Historizismus. Die empirisch orientierte, detailhafte Forschung durch die Mitglieder des Vereines für die Sozialpolitik vergrößerte wissenschaftliche Erkenntnisse über die historisch wandelbaren, institutionellen Aspekte von ökonomischen Tätigkeiten. Das Forschungsinteresse der gegenwärtigen historical sociology – hier meine ich die im englischsprachigen Raum: political economy, state u.Ä. – ist nicht weit entfernt von Schmoller und seiner Schule. Auch in diesem Sinne bedeutet das zunehmende Interesse an der historischen Soziologie eine Reflexion über den Ursprung und die Herkunft des Faches.Dass die historische Soziologie im deutschsprachigen Raum heute eher einen marginalen Platz in der Fachlandschaft einnimmt, scheint mir eher von historischen kontingenten Gründen bedingt zu sein. Hier möchte ich gern einige davon nennen. Das Programm der Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft, das in den 20er Jahren im letzten Jahrhundert entstanden ist, wurde in den 50er Jahren als Geschichts- und Sozialphilosophie abgewertet. Dahinter stand auch der politisch-ideologische Gegensatz in der Nachkriegszeit, z.B. zwischen dem kritischen Rationalismus, der nach einer strengen, naturwissenschaftsorientierten Wissenschaftlichkeit strebte, einerseits und allen möglichen Varianten des Historismus, einschließlich des Marxismus. Die Letzteren standen unter dem kollektiven Verdacht des Totalitarismus, egal rechts oder links.Dieser politisch-ideologische Gegensatz zwischen dem „Westen“ und den ehemaligen sozialistischen Ländern sei mit dem Sieg des geschichtslosen Naturalismus und Liberalismus zu einem Ende gekommen, so erklärte 1991 Francis Fukuyama in seinem bekannten Buch – dem Weltbestseller, den heute jedoch niemand ernsthaft liest – das Ende der Geschichte. Ihm zufolge hat die Bewegung der Geschichte mit dem Endsieg der liberalen Demokratie und der Marktwirtschaft die Endstation erreicht, weil dieses Regime der menschlichen Natur am adäquatesten und kein besseres Regime vorstellbar sei.Womöglich wurde die Geschichtsvergessenheit der Soziologie im deutschsprachigen Raum dadurch gesteigert. Jedoch hat die Geschichte der Menschheit keineswegs einen „stationary point“ erreicht – heute können wir es so sagen. Denn eine Reihe von globalen Ereignissen danach reichen aus, die Plausibilität der These Fukuyamas und die von den (neo-)liberalen Regimes zu erschüttern. Der erste Schlag war der islamistische Terroranschlag gegen das ökonomische, politische Herz der USA am 11. September 2001. 2008 erlebten wir die Lehman-Pleite und die davon verursachte Weltfinanzkrise. 2014 annektierte Russland die Krim-Halbinsel, 2016 wurde Donald Trump zum ersten Mal als US-Präsident gewählt, 2022 begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Dazu kommt der Klimawandel mit zahlreichen Umweltkatastrophen, die wir seit Jahren zunehmend selbst erleben. Wo gibt es die von Fukuyama erklärte und gelobte Stabilität? – So können wir fragen. Vielleicht sehen wir das Ende des Endes der Geschichte, nämlich das Ende einer Ideologie, die in den 90er und 00er Jahren dominierend war. Zumindest können wir sagen: Wir leben in einer unsicheren Zeit, d.h. in der Zeit eines globalen Wandels. Und wir wissen nicht, wohin uns dieser Wandel bringt.Ganz grob und einfach gesagt, nimmt das Interesse an der Geschichte bzw. Geschichtlichkeit von Menschen sowie ihren Kulturen und Institutionen in unsicheren Zeiten des Wandels zu, wobei Menschen in die Lage versetzt sind, über ihre Herkunft und die Gründe für ihr So-und-nicht-anderes-geworden-Sein nachzudenken. Das derzeit zunehmende Interesse an der Geschichte in unserer Disziplin kann auch Zeichen dafür sein.