Japan.
Tatsächlich, unbestreitbar, nicht zu verleugnen.
Um mich, in jede Himmelsrichtung, in mir.
Kurz vor meinem Abflug; die Tage davor, am Tag des Abflugs, ja sogar kurz bevor ich ins Flugzeug stieg, war ich nicht aufgeregt. Mein Herz pochte ganz normal.
Im Gegensatz zu den Menschen um mich herum.
Meine Familie und Freunde konnten nicht glauben, dass die Zeit nun gekommen war. Ihre Aufgeregtheit hätte eigentlich auf mich übergehen müssen, aber sie tat es nicht. Ich denke, das liegt daran, dass ich einfach in den letzten Tagen zuvor in Rekordzeit eine Hausarbeit schreiben musste und eben mit Reisevorbereitungen beschäftigt war.
So konnte ich an die eigentliche kurz bevorstehende Reise nur wenig denken.
Aber ich bin sehr froh, dass ich noch einigermaßen genügend Zeit hatte, mich von meiner Familie (dabei sind die Katzen natürlich nicht zu vergessen!) und natürlich von meinem Freunden zu verabschieden.
Besonders die wirklich überraschende Überraschungsparty wird mir auf ewig in liebevoller Erinnerung bleiben!
Als ich mich dann letztendlich am Flughafen von allen verabschieden musste, was mir dann doch wirklich sehr schwer viel, und ich ins Flugzeug stieg und einen recht gewöhnlichen Flug hinter mir hatte (das Ungewöhnliche dabei war vielleicht, dass ich zum ersten Mal bei einem Langstreckenflug flog, und doch tatsächlich der Platz neben mir frei blieb. Sehr angenehm! Sowieso, bei jemanden mit meiner Größe ist es kein Problem zu fliegen, wie eng die Sitze auch beieinander liegen mögen, ich habe immer genug Beinfreiheit!).
Erschöpft, aber nun endlich freudig erregt landete ich also in Tôkyô und musste erst einmal einreisen. Das dauert in Tôkyô meist sehr lange, da nun einmal viele einreisen möchten.
Da meine Maschine schon Verspätung hatte, war ich schon über eine Stunde in Verzug und meine Freundin Yui, die mich vom Flughafen abholen wollte, musste schon eine Weile auf mich warten.
Doch nach einer knappen halben Stunde war ich endlich an der Reihe und meine Einreise wurde bearbeitet, was, da ich mit einem Visum einreiste natürlich etwas länger dauerte. Doch plötzlich drückte man mir eine Karte in die Hand, mit meinem Namen und anderen Daten in die Hand auf der sogar mein Foto gedruckt war. Meine Resident Card. Hatte der Bearbeiter sie etwa gerade eben hergestellt? Es ging so schnell, ich bemerkte es nicht. Jedoch fühlte ich mich plötzlich wie ein Einwohner Japans. (Und das, obwohl ich, in dem Moment wo ich diesen Eintrag schreibe, noch immer nicht beim Meldeamt war um mich anzumelden...)
Ich starrte noch eine Weile auf meine Karte, bis ich dann zügig mich auf den zur Kofferausgabe und konnte glücklicherweise schnell meinen eigenen Koffer erspähen. Schnell ging ich durch die letzte Kontrolle und konnte endlich Yui in die Arme schließen, die ich schließlich über ein halbes Jahr nicht sehen konnte. Es war wirklich ein glückliches Wiedersehen! Und ich bin ihr so dankbar, dass sie den weiten Weg von Yokohama auf sich genommen hat, nur um mich vom Flughafen abzuholen! Es war wirklich das Beste, was mir passieren konnte.
Freudig machten wir uns beide, ich dabei etwas erschöpft, auf den Weg zu meinem Hotel, dass sie irgendwo in Minami-Senju befinden sollte, etwa zwei Stunden vom Flughafen entfernt.
Zum Glück war die Wegbeschreibung die ich vom Hostel bekam ziemlich gut und so fanden wir es doch recht schnell.
Die Betreiber waren allesamt nett und das Hostel war sehr (sehr) schlicht, aber sauber und absolut genügend, wenn man dort nur eine Woche wohnen möchte.
Ich muss sagen, Minami-Senju ist zwar in Ordnung, aber es wurde nicht zu meinem Lieblingsstadtteil Tôkyôs, da gibt es weitaus hübschere! Aber wenn man günstig wohnen möchte ist es perfekt. Zum Glück waren gleich mehrere günstige Supermärkte in der Nähe, so dass ich stets günstig einkaufen konnte. Auch wimmelte es überall von wunderbaren Katzen! Von der Seite her, war es für mich also optimal.
Geographisch liegt Minami-Senju etwa zwischen Ueno und Asakusa (nach letzterem konnte ich sogar zu Fuß laufen!). Auch das nahe gelegene Kita-Senju war einem Besuch wert.
So begann also meine erste Woche in Japan.
Diese erste Woche war noch nicht besonders ereignisreich und war wohl zu meiner Eingewöhnung gedacht.
Natürlich war mit ein Highlight dieser Woche, dass ich gleich an meinem zweiten Tag in Japan in die Oper ging.
Gespielt wurde Cardillac von Paul Hindemith. Eine vielleicht nicht ganz so bekannte deutsche Oper aus den 1920er Jahren. Ich kannte von dem Stück nur den textlichen Teil, aber mein guter Freund Kei sollte die Hauptrolle spielen (gleichfalls Cardillac) daher war ich sehr gespannt!
Die Oper wurde im Tôkyôter Nationaltheater gespielt. Eine riesige Halle auf riesigem Gelände! Es war wirklich sehr schon.
Auch die Familie von meiner lieben Freundin Shihoko hab ich getroffen! Hach, ich war schrecklich aufgeregt, aber sie waren wirklich sehr nett! Es hat mich wirklich sehr gefreut sie kennenzulernen. In dem Moment wurde auch gleich mein Japanisch auf die Probe gestellt. Denn verständlicherweise verstehen sie kein Deutsch, so sprachen wir nur Japanisch, ich eher mittelmäßig, aber wir konnten uns doch recht gut verständigen denke ich.
Die Oper selbst war wunderbar. Alle waren so talentiert! Insgesamt habe ich zwar erst zwei Opern gesehen, kann sie also nicht mit vielem vergleichen, aber mir hat sie sehr gut gefallen. Vor allem die Bühne und deren Aufbau hatten es mir angetan. Diese ließ sich nämlich mit recht schneller Geschwindigkeit drehen, so das man in Kürze, ohne lästigen Umbau zwischen den Szenen wechseln konnte. Unwillkürlich ließ mich das an die bewegliche Kabuki-Bühne aus dem japanischen Theater erinnern.
Nach der Vorstellung konnte ich sogar zum Backstage-Bereich und endlich (den erschöpften) Kei treffen! Er hat wirklich wunderbar gesungen! Und seine deutsche Aussprache war auch sehr gut! Ich war wirklich froh, ihn nach langer Zeit wieder zu sehen. Dann durfte ich sogar mit in den Backstage-Bereich!! War wirklich interessant, die langen Gänge entlangzugehen und die vielen Künstler und Mitwirkenden des Stückes einem entgegenkommen zu sehen.
Dann durfte ich die liebe Asami kennenlernen (sie spielte auch eine Rolle in dem Stück), mit der ich schon bald Tandem machen werde! Dass wir sofort so vertraut miteinander waren hatte mich sehr erleichtert.
Alles in allem war ich an dem Tag zwar etwas erschöpft, weil ich erst am Tag zuvor in Japan ankam, aber da ich glücklicherweise ein Mensch bin, der fast gar kein Jetlag bekommt, ging es mir ganz gut und was ein ereignisreicher, spaßiger Tag!Den Rest der Woche verbrachte ich mit Yui in Ueno und Shinjuku (wo ich meine Busfahrkarte kaufte, mit der ich nach Kansai fahren wollte), ich war in unter anderem Asakusa, Ikebukuro und in Komazawa, wo ich zum ersten Mal in Keis Wohnung, wo ich freundlicherweise die letzten beiden Märzwochen wohnen durfte!! Ich lagerte dort meinen Koffer und erklärte mir, was ich alles zu beachten habe. Die ganze Zeit war ich einfach nur froh und dankbar!
Erst eine Woche in Japan und schon war ich so glücklich, einfach weil ich so wundervolle Freunde habe.
