Wer erstmals ein Cannabisrezept anstrebt, merkt schnell: Zwischen „ich habe Beschwerden“ und „ich halte ein gültiges Rezept in der Hand“ liegen klare Schritte, einige Stolpersteine und ein paar Entscheidungen, die sich online besser lösen lassen als in der Praxis vor Ort. Die Videosprechstunde ist dabei kein nettes Extra, sondern oft der praktikabelste Weg, um Indikation, Risikoabwägung und Therapieplan sauber zu klären. Ich gehe den Ablauf mit Ihnen durch, so wie er in der Versorgung tatsächlich passiert, mit Zeitangaben, Dokumenten, häufigen Missverständnissen und den Stellen, an denen sich eine Sache lohnt oder eben nicht.
Wofür die Videosprechstunde taugt, und wofür nicht
Eine gute Online-Konsultation ersetzt das persönliche Gespräch, nicht jede körperliche Untersuchung. Bei chronischen Schmerzen, Spastik, Schlafstörungen, Appetitmangel, bestimmten Angststörungen oder ADHS kann eine sorgfältige Anamnese, ergänzt durch vorhandene Befunde, ausreichen, um die Voraussetzungen für eine Cannabistherapie zu prüfen. Was online weniger geht: akute neurologische Ausfälle, unklare Blutdruckentgleisungen, frisch aufgetretene psychotische Symptome, Entgiftungssituationen. Hier gehört die Abklärung in Präsenz oder sogar in die Klinik.
Für alle anderen Fälle ist die Videosprechstunde ein klarer Vorteil. Sie vermeiden Anfahrten, sparen Wartezeiten, und viele Ärztinnen und Ärzte, die Cannabis verordnen, arbeiten ohnehin telemedizinisch organisiert. Der Knackpunkt ist nicht die Technik, sondern die Vorbereitung.
Was Sie vor dem Termin zusammensuchen sollten
Wer seine Unterlagen griffbereit hat, verschiebt die Hälfte der Diskussion von „könnte sein“ zu „ist belegt“. Im Alltag bewährt sich eine schlichte Mappe, digital oder auf Papier, mit vier Rubriken: Diagnosen, Therapieverlauf, aktuelle Medikation, Ausschlusskriterien.
- Diagnosen und Befunde: Arztbriefe, radiologische Berichte, Laborwerte mit Bezug zur Grunderkrankung. Bei chronischen Schmerzen sind das etwa MRT-Befunde, Schmerzfragebögen, die Skala zur Schmerzintensität über Zeiträume hinweg. Therapieverlauf: Was wurde bereits versucht, in welcher Dosierung, wie lange, mit welchem Effekt und welchen Nebenwirkungen. Ein kurzer Medikationstageplan mit Daten hilft. Aktuelle Medikation, Allergien, Vorerkrankungen: inklusive frei verkäuflicher Präparate, pflanzlicher Mittel, Alkohol- und Nikotinkonsum in realistischen Mengen. Kontraindikationen: Familienanamnese für Psychosen, persönliche Psychoseepisoden, schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse, Schwangerschaft, geplanter Kinderwunsch.
Die meisten Praxen stellen vorab einen sicheren Upload bereit oder bitten per E‑Mail um PDFs. Wenn gar nichts geht, halten Sie die Dokumente zumindest vor der Kamera bereit, das ist umständlich, aber besser als „ich reiche es nach“.
Der technische Teil, der oft unterschätzt wird
Telemedizin scheitert selten am Fachlichen, häufiger an Mikrofonrechten und WLAN. Planen Sie zehn Minuten Technikpuffer ein. Laptop statt Handy, wenn möglich, stabile Internetverbindung, Kopfhörer mit Mikro. Schließen Sie Benachrichtigungen und laden Sie das Gerät. Ein neutraler Hintergrund hilft, aber wichtiger ist ein ruhiger Raum. Sie müssen nicht perfekt aussehen, nur gut hörbar und sichtbar sein. Die Identitätsprüfung läuft meist über Personalausweis in die Kamera, gelegentlich über ID‑Verfahren mit Selfie, das dauert zwei bis fünf Minuten.
Was Patientinnen oft fragen: Wird das Gespräch aufgezeichnet? Nein, seriöse Anbieter speichern keine Audio- oder Videoaufnahmen, nur die medizinische Dokumentation in der Akte. Wenn etwas aufgezeichnet werden soll, braucht es Ihre ausdrückliche Zustimmung. Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie unsicher sind.
Wie der Ersttermin üblicherweise abläuft
Der erste Termin ist keine Rezeptroutine, sondern ein Entscheidungsprozess. Je nach Komplexität sollten Sie 20 bis 40 Minuten einplanen. Ich skizziere den Ablauf, wie er sich in den meisten telemedizinischen Cannabis-Sprechstunden etabliert hat:
Ankommen und Rahmen klären. Nach der Identifikation geht es um Einwilligung, Datenschutz, Zweck des Termins. Zwei Sätze, aber wichtig, weil hier auch Erwartungen abgeglichen werden. Wenn jemand mit dem Ziel „ich brauche heute das Rezept für Sorte X“ einsteigt, ist die Wahrscheinlichkeit für Frust hoch. Ziel ist eine passende, sichere Therapie, nicht eine bestimmte Blüte.
Anamnese im Detail. Ihre Hauptbeschwerde, bisherige Therapien, Nebenwirkungen, psychische Vorgeschichte, Substanzkonsum, Fahrsituationen im Alltag, Jobanforderungen. Ein erfahrener Arzt fragt gezielt: Wie viele Tage im Monat sind schlechter Schlaf? Was bedeutet „wirkt nicht“ bei Gabapentin, bezogen auf Stunden, Skalawerte, Funktionsgewinn? Antworten mit Zahlen oder Beispielen, nicht nur „so lala“.
Indikationsprüfung. Es geht darum, ob eine ernsthafte Erkrankung mit unzureichendem Therapieerfolg vorliegt, ob Cannabis ein plausibles Nutzen-Risiko-Profil hat, und ob Alternativen ausgeschöpft oder unverträglich sind. Eine 22‑jährige Patientin mit moderater Prüfungsangst und ohne Psychotherapie wird eine andere Einordnung bekommen als ein 58‑jähriger Patient mit schmerzhafter peripherer Neuropathie nach Chemotherapie.
Aufklärung. Wirkung, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Fahrtauglichkeit, Führerscheinrecht, Arbeitsplatzrisiken, Substanztests. Hier kommt das erste Mal echte Praxisnähe ins Spiel: Wie Sie Tag‑1, Woche‑1 und Monat‑1 strukturieren, entscheidet stärker über Erfolg als die „beste Sorte“.
Therapieplan oder Alternativplan. Entweder gibt es ein Einstiegsschema mit Zielparametern und Kontrolltermin, oder es wird zunächst diagnostisch nachgefasst, zum Beispiel Labor, EKG, Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen, oder es wird, ehrlich gesagt, abgeraten, weil das Risiko überwiegt. Ein seriöses Nein ist wertvoll, auch wenn es enttäuscht.
Realistische Erwartungen an Wirkung und Tempo
Medizinisches Cannabis ist kein Schalter, den man umlegt. Es verhält sich eher wie eine Stellschraube, die man über Tage und Wochen feinjustiert. Vollständige Schmerzfreiheit ist selten das Ziel. Praktischer ist der Fokus auf Funktionsgewinn: mehr Stunden Schlaf, mehr Bewegungsfenster, weniger Durchbruchschmerz, weniger Übelkeit.
In Studien und in der Versorgung sehen wir meist eine Dosisfindung über zwei bis vier Wochen, mit einer echten Bewertung nach sechs bis acht Wochen. Wer nach drei Tagen „keine Wirkung“ meldet, hat entweder zu niedrig begonnen, zu hohe Erwartungen gesetzt oder Nebenbefunde übersehen, die bremsen, etwa unerkannte Schlafapnoe.
Das Thema „Kassenübernahme“ nüchtern betrachtet
Wenn Sie gesetzlich versichert sind, steht die Frage der Kostenübernahme im Raum. Juristisch ist Cannabis eine „Leistung in besonderen Fällen“. Praktisch heißt das: Es braucht einen Antrag mit Begründung und in vielen Fällen eine Begutachtung durch den Medizinischen Dienst. Realistische Zeitfenster reichen von zwei bis sechs Wochen, gelegentlich länger. Die Ablehnungsquote variiert. Erfolgschancen steigen, wenn
- die Diagnose klar ist, Therapieversuche dokumentiert sind und Nebenwirkungen oder Unwirksamkeit benannt werden, ein funktionaler Nutzen messbar definiert wird, etwa „Reduktion der Schmerzintensität auf NRS 4 bis 5, Erhöhung der Gehstrecke im 6‑Minuten‑Gehtest um 20 Prozent“, keine harten Kontraindikationen vorliegen und ein Monitoringplan existiert.
Privatversicherte erhalten häufiger eine Kostenübernahme, der Weg führt über die Einreichung der ärztlichen Begründung und Tarifbedingungen. Selbstzahlerinnen sollten mit 150 bis 350 Euro pro Monat rechnen, je nach Produkt, Dosis und Apothekenpreis. Es gibt Rabattverträge und sehr unterschiedliche Preise zwischen Apotheken, fragen Sie vorab.
Blüten, Extrakte, Rezepturarznei: die Auswahl sachlich treffen
Die ewige Sortendebatte bringt wenig, wenn die Basisschritte fehlen. Zuerst die Wahl der Darreichungsform, dann die Titrationslogik, erst danach die Sorte. Drei große Pfade haben sich etabliert:
Blüten, inhalativ. Wirksamkeit tritt schnell ein, Dosis lässt sich in kleinen Schritten steuern, insbesondere bei neuropathischen Schmerzen und Spastik hilfreich. Nachteile: Schwankungen zwischen Batches, potenziell höhere psychotrope Effekte, Fahreignung muss nüchtern betrachtet werden. Verdampfer statt Rauchen, immer. Seriöse Praxen raten vom Verbrennen ab.
Ölige Extrakte, oral. Stabilere Pharmakokinetik, geeignet für kontinuierliche Tageskontrolle, weniger Peaks. Ein häufiger Start bei Angst, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen, die keine unmittelbaren Durchbruchsituationen haben. Nachteile: Wirkungseintritt später, Titration braucht Geduld, Wechselwirkung mit fettreichen Mahlzeiten beachten.
Isolierte Cannabinoide, zum Beispiel reines CBD oder THC in definierter Konzentration. Sinnvoll, wenn Nebenwirkungsprofil eng geführt werden muss oder Interaktionen minimiert werden sollen. In der Praxis oft in Kombination verwendet.
Die Dosisentwicklung beginnt meist niedrig, etwa 2,5 mg THC abends, dann Steigerung in 2,5‑mg‑Schritten alle zwei bis drei Tage, bis entweder der Zielnutzen erreicht ist oder Nebenwirkungen Grenze setzen. Mit Blüten lässt sich das auf Züge pro Session übersetzen, aber das gehört in den individuellen Plan, nicht ins Internetrezept.
Sicherheit: die fünf Fehler, die wir vermeiden wollen
Wer Cannabis medizinisch nutzt, fährt am besten mit Disziplin, gerade am Anfang. Es sind immer dieselben Stellen, an denen es hakt:
- Zu schneller Dosisaufbau. Körper und Alltag brauchen Anpassung. Wer am dritten Tag „aufdreht“, landet häufiger bei Schwindel oder Angst. Paralleler Alkohol- oder Benzodiazepinkonsum. Kombinationssedierung ist kein hypothetisches Risiko, sie passiert, und sie macht Autofahren objektiv gefährlich. Unklare Tagesstruktur. THC am Morgen, wenn ein Kundentermin ansteht, ist selten eine gute Idee. Setzen Sie Nutzungsfenster fest. Kein Monitoring. Ohne kurze Notizen zu Wirkung und Nebenwirkung entscheiden Bauchgefühl und Tagesform. Ein 60‑Sekunden‑Protokoll reicht: Dosis, Uhrzeit, Zielsymptom, Effekt 0 bis 10, Nebenwirkung ja/nein. Führerscheinrecht ignorieren. Die Polizei testet nicht auf Rezepte, sondern auf Fahrtüchtigkeit und Grenzwerte. Wer unsicher ist, fährt nicht. Punkt.
Rezept und Abgabe: wie es logistisch klappt
Nach erfolgreicher Indikationsprüfung und Aufklärung kommt das Rezept. Inzwischen gibt es das E‑Rezept, das vieles vereinfacht, aber noch nicht überall reibungslos läuft. Zwei Dinge sind relevant: Rezeptart und Apothekenwahl.

Betäubungsmittelrezepte für THC‑haltige Arzneien benötigen eine spezielle Ausstellung. In der E‑Rezept‑Welt wird das als eBtM umgesetzt, regional ist die Umsetzung unterschiedlich weit. Manche Praxen drucken weiterhin das klassische BtM‑Papier und schicken es per Post, was zwei bis vier Tage dauern kann. Fragen Sie im Termin, welche Variante möglich ist, und planen Sie die Lieferzeit ein.
Nicht jede Apotheke führt Cannabisprodukte lagermäßig. Ein kurzer Anruf vorab spart Wege. Gute Apotheken beraten zur Gerätetechnik beim Verdampfer, erklären Unterschiede zwischen Chargen und informieren über Lieferfähigkeit. Die Preisunterschiede sind manchmal zweistellig. Als Selbstzahler lohnt ein Preisvergleich.
Nachkontrolle: die ersten vier Wochen entscheiden
Ich empfehle in der Regel eine kurze Tele‑Nachkontrolle nach sieben bis zehn Tagen und eine ausführlichere nach vier Wochen. Der erste Termin dient der Dosisfeinjustierung und dem Nebenwirkungsmanagement. Typische Anpassungen: Abenddosis erhöhen, morgens auf CBD‑dominanteres Präparat wechseln, Zwischenraum zwischen Einnahmen anpassen. In Woche vier evaluieren wir die Zielparameter aus dem Ersttermin. Wenn sich nichts bewegt, wird nicht einfach „mehr“ gegeben, sondern die Hypothese geprüft: Stimmt die Indikation? Blockiert eine Komorbidität? Liegt ein Erwartungsfehler vor?
Dokumentation ist nicht nur Bürokratie, sondern Ihr Hebel gegenüber Kostenträgern und eine Absicherung für Fahreignungsfragen. Ein kurzer Eintrag pro Tag hilft mehr als ein ausführlicher Roman am Ende des Monats.
Ein realistisches Szenario aus der Praxis
Nehmen wir Jonas, 43, IT‑Consultant, seit Jahren neuropathische Schmerzen nach Bandscheiben‑OP, tagesabhängig 6 bis 8 auf der 10er‑Skala, Schlaf fragmentiert, drei bis vier Stunden am Stück. Er hat NSAR, Pregabalin, Amitriptylin, Physio, TENS durch, mit begrenztem Nutzen und Nebenwirkungen, vor allem kognitive Müdigkeit. Er arbeitet viel im Homeoffice, aber Kundentermine, Autofahrten, Deadlines, die den Puls hochjagen, gehören dazu.
Im Erstgespräch klärt sich, dass Jonas abends die meiste Leidenslast hat. Tagsüber ist er eingeschränkt, aber arbeitsfähig. Benzodiazepine nutzt er nicht, Alkohol selten. Kein Hinweis auf Psychose in der Familie, Blutdruck im Griff. Zielparameter: Schlafdauer auf mindestens sechs Stunden, Schmerzscores am Abend auf 4 bis 5, zwei Spaziergänge pro Woche von 30 Minuten, was derzeit nicht klappt.
Therapieplan: Start mit oralem THC/CBD‑Extrakt 1:1, abends 2,5 mg THC plus 2,5 mg CBD 30 Minuten nach dem Essen, Steigerung alle drei Tage um 2,5 mg bis maximal 7,5 bis 10 mg abends, nach Verträglichkeit. Zusätzlich eine kleine „On‑Demand“‑Option mit Verdampfer für Durchbruchschmerz, maximal eine Session, vorzugsweise jenseits von Fahrsituationen. Kein Autofahren innerhalb von mindestens 6 Stunden nach inhalativem THC, Hausregel.
Woche eins: Jonas meldet leichten Schwindel an Tag drei, senkt die Abendzeit um eine Stunde nach hinten, wirkt besser. Schlaf steigt auf fünf Stunden. Keine morgendliche Restmüdigkeit, Autofahren sicher.
Woche vier: Schmerzscores abends 4 bis 5, Schlaf 6 bis 6,5 Stunden. Spaziergänge zweimal pro Woche. Er nutzt die On‑Demand‑Option einmal wöchentlich. Wir bleiben auf der Dosis, prüfen nach acht Wochen, ob der Tagesverlauf stabil ist. Jonas hofft auf weitere Reduktion. Wir setzen gemeinsam einen „Nicht‑Ziel“-Marker: kognitive Klarheit darf nicht leiden. Das wird dokumentiert, und er hält sich daran. Die Therapie läuft solide.
Warum dieses Beispiel? Weil es zeigt, dass die Mischung aus Erwartungsmanagement, klaren Zielen und kleinem Sicherheitspuffer mehr ausmacht als die Frage, ob Sorte A „besser“ ist als B.
Recht und Realität: Fahren, Arbeiten, Tests
Es gibt drei Ebenen, die Sie auseinanderhalten müssen: Fahrtauglichkeit, arbeitsrechtliche Pflichten und Drogentests.
Fahrtauglichkeit ist individuell. Ein Rezept macht niemanden automatisch fahrtauglich. Maßstab ist, ob Sie das Fahrzeug sicher führen können. THC hat eine akute Wirkungskurve, besonders inhalativ. Wer morgens dosiert, sollte nüchtern zur Arbeit fahren oder die Dosierung so legen, dass kritische Zeitfenster frei bleiben. Manche Praxen empfehlen ein ärztliches Fahrfähigkeitsgutachten nach Stabilisierung, das ist nicht rechtlich verpflichtend, kann aber im Streitfall helfen.

Arbeitsrechtlich gilt die Pflicht, die eigene Arbeitsfähigkeit sicherzustellen. Gefahrgeneigte Tätigkeiten, etwa Arbeiten an Maschinen oder in der Höhe, verlangen strenge Abstimmung. Sagen Sie Ihrer Ärztin, was Sie beruflich tun. Verschweigen hilft niemandem.
Drogentests unterscheiden nicht sauber zwischen medizinischer und nichtmedizinischer Nutzung, wenn sie nur auf THC‑Metabolite prüfen. Halten Sie die Verordnung und die Dosierungsdokumentation bereit. Bei beruflich verpflichtenden Tests lohnt es sich, vorab zu klären, ob Ausnahmeregelungen für verordnete Medikamente existieren.
Was passiert, wenn die Therapie nicht anspringt
Es gibt robuste Kriterien, die ein Abbruchsignal setzen: ausbleibender Funktionsgewinn trotz ausreichend langer, dokumentierter Titration, Nebenwirkungen, die Zielaktivitäten verhindern, Konflikte mit Fahrtauglichkeit, die beruflich nicht auflösbar sind, oder eine sich entfaltende psychische Instabilität. Ein sauberer Ausstieg ist kein Scheitern. Wir sichten Alternativen, passen Begleittherapien an, ziehen interdisziplinäre Optionen in Betracht. Eine Pause ist oft sinnvoll, um einen Rebound oder Toleranzeffekte auszuschließen.
Manchmal ist die Indikation schlicht falsch gewählt. Bei primär muskulären Überlastungsschmerzen wird Cannabis wenig bewegen. Bei schweren unbehandelten Depressionen kann es Symptome überdecken, ohne zu helfen. Das gehört auf den Tisch, besser im Erstgespräch als nach drei Monaten.
Wie Sie eine seriöse Online‑Praxis erkennen
Zwei schnelle Filter helfen: Erwartungsmanagement und Aufklärungstiefe. Wer ein Rezept „garantiert“, liefert selten medizinische Qualität. Wer mit Ihnen Zielparameter definiert, Risiken bespricht, keine unrealistischen Heilsversprechen macht und eine Nachkontrolle einplant, arbeitet professionell. Fragen Sie, ob es einen Prozess für Nebenwirkungsmanagement und Dosisanpassung gibt, wie mit Kostenträgern kommuniziert wird und wer die Vertretung im Urlaubsfall übernimmt. Eine Praxis, die erreichbar ist, wenn es unangenehm wird, ist Gold wert.

Kosten, die gern übersehen werden
Neben dem Arzneimittelpreis fallen ärztliche Leistungen an, insbesondere Erst- und Folgetermine, gegebenenfalls Anträge an die Kasse, Befundberichte, Rezeptgebühren. Bei Selbstzahlern für ärztliche Leistungen bewegen sich Ersttermine je nach GOÄ‑Ziffern typischerweise im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Fragen Sie vorab nach einer Spanne. Verdampfergeräte liegen je nach Qualität und Zubehör grob zwischen 150 und 400 Euro. Wer hier spart, zahlt häufig mit Husten und inkonsistenter Dosis.
Wenn Sie schon Cannabis nutzen: Offenheit hilft, aber klug
Viele Patientinnen konsumieren bereits, oft als Selbstmedikation. Sagen Sie es, sagen Sie wie, wie oft, mit welchen Effekten. Das ist kein moralisches Geständnis, sondern ein medizinischer Befund. Ärztinnen arbeiten besser, wenn sie die Ausgangslage kennen. Gleichzeitig ist die Umstellung von Freizeitkonsum auf medizinische Nutzung kein 1:1‑Transfer. Dosis, Timing, Produkt, alles ändert sich. Wer erwartet, dass das Lieblingsprodukt aus dem Freundeskreis plötzlich zur Therapie wird, landet meist in der Sackgasse.
Die kurze Checkliste für Ihren ersten Termin
- Dokumente: Diagnosen, Therapieversuche, aktuelle Medikation, relevante Befunde als PDF. Technik: Laptop, stabile Verbindung, Ausweis bereit, zehn Minuten Puffer. Ziele: Zwei bis drei konkrete, messbare Funktionsziele notieren. Alltag: Fahrzeiten, Jobanforderungen, Schlafrhythmus kennen. Offenheit: Substanzkonsum, Nebenwirkungen, Sorgen ansprechen.
Was die Videosprechstunde besonders gut kann
Wenn sie gut gemacht ist, löst die Videosprechstunde drei Probleme zugleich. Erstens, sie schafft Verbindlichkeit in der Anamnese, weil Sie in Ihrem Alltag sitzen und die Fakten nicht beschönigen. Zweitens, sie macht Dosisanpassungen schnell und kleinteilig möglich, ohne dass Sie für jede Feinheit in die Praxis müssen. Drittens, sie zwingt beide Seiten zu Klarheit bei Zielen und Grenzen, weil der Bildschirm keine Ersatzhandlung zulässt. Keine kleine Plauderei, kein Rezept aus Gefälligkeit, sondern ein strukturierter Prozess.
Hier ist die nüchterne Wahrheit: Cannabis ist für manche die Wende, für andere eine Option im Werkzeugkasten, und für wieder andere ein Irrweg. Die Aufgabe der Videosprechstunde ist, sauber https://www.weed.de/patient-werden zu unterscheiden, zu begleiten und, wenn nötig, auch zu stoppen. Wenn das gelingt, haben Sie eine Therapie, die Ihren Alltag tatsächlich verbessert, statt ihn komplizierter zu machen. Und genau daran sollten wir eine Behandlung messen.