Burkhardt schwieg und hörte seinem Freunde zu, im Herzen voll Mitleid. Wie er mich anlügen will! dachte er mit heimlichem Lächeln. Wie er von Plänen und Arbeiten spricht! Früher tat er das nie. Es sah aus, als wolle er sorgfältig alles herzählen, woran er etwa noch Freude hatte und was ihn noch mit dem Leben versöhnte. Der Freund kannte ihn und kam ihm nicht entgegen. Er wußte, es konnte nicht lange mehr dauern, bis Johann das in Jahren Gehäufte von sich werfen und sich von einem unerträglich gewordenen Schweigen erlösen würde. So ging er abwartend mit scheinbarer Gelassenheit nebenher, immerhin traurig verwundert, daß auch ein so überlegener Mensch im Unglück kindlich werde und mit verbundenen Augen und Händen durch die Dornen wandle.
Kapitel 3
Und es war seiner zähen Natur gelungen, seine Künstlerschaft beinahe um das reicher und tiefer und glühender zu machen, was sein Leben an Reichtum, Tiefe und Wärme verlor. Einsam und geharnischt saß er nun wie ein Verzauberter, eingesponnen in seinen Künstlerwillen und rücksichtslosen Fleiß, und sein Wesen war gesund und eigenwillig genug, die Armut dieses Daseins nicht zu sehen und nicht anerkennen zu wollen.
Kapitel 8
Was ihm blieb, das war seine Kunst, der er sich nie so sicher gefühlt hatte wie eben jetzt. Ihm blieb der Trost der Draußenstehenden, denen es nicht gegeben ist, das Leben selber an sich zu reißen und auszutrinken; ihm blieb die seltsame, kühle, dennoch unbändige Leidenschaft des Sehens, des Beobachtens und heimlich-stolzen Mitschaffens. Das war der Rest und der Wert seines mißglückten Lebens, diese unbeirrbare Einsamkeit und kalte Lust des Darstellens, und diesem Stern ohne Abwege zu folgen, war nun sein Schicksal.
Er atmete tief die feuchte, bitter duftende Parkluft, und bei jedem Schritt meinte er die Vergangenheit von sich zu stoßen wie einen unnütz gewordenen Kahn vom erreichten Ufer. In seiner Prüfung und Erkenntnis war nichts von Resignation; voll Trotz und unternehmender Leidenschaft sah er dem neuen Leben entgegen, das kein Tasten und dämmerndes Irren mehr sein durfte, sondern ein steiler, kühner Weg bergan. Später und bitterer vielleicht, als Männer sonst es tun, hatte er von der süßen Dämmerung der Jugend Abschied genommen. Jetzt stand er arm und verspätet im hellen Tag, und von dem gedachte er keine köstliche Stunde mehr zu verlieren.
Kapitel 18