Mit einer gemeinsamen Social-Media-Kampagne appellieren der Deutsche Tourismusverband (DTV), der Deutsche Reiseverband (DRV), der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), der Hotelverband Deutschland (IHA), der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), die Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (asr), der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) und der RDA Internationaler Bustouristik Verband knapp Politik, dem Tourismus endlich eine Perspektive und einen Öffnungsfahrplan zu geben. Das Prinzip »Hotels zu, Mobilität runter, Infektionen eingedämmt« funktioniere nicht, sagte Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA). NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verbreitet dagegen wenig Optimismus. Auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf sagte er gestern, er halte es bezüglich die steigenden Infektionszahlen für fraglich, dass die Bund-Länder-Konferenz am 22. März Erlaubnis für Öffnungen in der Tourismusbranche erteilen werde. In puncto die vielen Reisenden nach Mallorca über Ostern forderte sie eine rasche Entscheidung zum Tourismus in Deutschland. Anders dagegen Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Ein Hotelier und ein Betreiber eines Freizeitparks in Niedersachsen haben dagegen die Nase voll. Sie haben gemeinsam mit Unterstützung des Dehoga-Landesverbandes Klage vorm Oberverwaltungsgericht eingereicht.

In den Wintersportgebieten im Sauerland und der Eifel liegt sogar Schnee. Das dürfte auch an diesem Wochenende wieder für zahlreiche Tagesausflügler verlockend sein. Damit hier klicken sich aber das Verkehrschaos der vergangenen Wochenenden nicht wiederholt, haben zahlreiche Städte und Kommunen vorsorglich Zufahrtsstraßen und Parkplätze gesperrt. Die Stadt Sundern dagegen geht einen Sonderweg. Für den Tourismusexperten Jürgen Schmude kommt der Andrang auf die Wintersportregionen in Deutschland normal. Jetzt wird Corona wie zum Katalysator«, sagte er in WDR 5. Die Menschen konnten vielfach schon im sommer nicht verreisen und seien in ihrer Bewegung eingeschränkt. »Naturorientierte und Outdoor-Aktivitäten gab es schon vor Corona. »Jetzt liegt endlich mal Schnee und da will man mal raus. Eigentlich wollte die Reederei Aida Cruises schon nächste Woche wieder mit ihren Schiffen rund geschätzt Kanarischen Inseln eine Reise unternehmen. So überraschend war das für mich nicht, was wir letztes Wochenende erlebt haben«, so Schmude weiter. Aber wegen der andauernden Corona-Pandemie wird das erst nichts. Das Unternehmen kündigte gestern an, man strebe nun einen Neustart am 6. März an. Dann soll es Richtung Kanaren, Nordeuropa und Mittelmeer gehen. Dem tristen Corona-Lockdown-Alltag entfliehen und nicht wenige Tage Sonne tanken - wer will das nicht?

Nach der Verhängung des Lockdowns in Deutschland, so Felbermayr, hätten die Resultate gezeigt, dass das Einschränken der sozialen Kontakte und die Reisebeschränkungen wirksam gewesen seien und nicht dazu geführt habe, dass sich das Coronavirus "nach diesem ersten Impuls aus Ischgl in Deutschland noch massiv weiterverbreitet hätte". Die Studie des Weltwirtschaftsinstituts in Kiel fand in einigen größeren Medien in Österreich Beachtung, die politischen Reaktionen blieben allerdings verhalten. Es sei für die politische Arbeit wichtig zu verstehen, welche Rolle der internationale Tourismus für die Verbreitung solcher Krankheiten habe. Tourismusministerin Köstinger hat die Studie (noch) nicht gelesen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger von welcher Volkspartei ÖVP sagte dem ARD-Studio Wien, sie kenne die Ischgl-Studie nicht. Österreich verbessere vor allem die Testkapazitäten. So würden Mitarbeiter im Tourismusbereich, die Gästekontakt hätten, regelmäßig getestet, um "somit eben auch bestmögliche Sicherheit für unsere Gäste in Österreich bieten zu können". Gabriel Felbermayr vom Weltwirtschaftsinstitut in Kiel rät, bei der Berichterstattung zu differenzieren: Es sei nicht der Tourismus rein, sondern "umso mehr der Party-Tourismus," der kritisch gesehen werden müsse. Wenn man sich auf den Pisten bewege oder am Strand oder in den Bergen, sei das ganz was anderes, ganz so, als man die Nächte durchfeiere und da in sehr engen Kontakt mit Menschen komme.