Wer ein Cannabis-Rezept braucht, stößt schnell auf drei Hürden: die Suche nach einer verordnenden Ärztin, die Begutachtung der eigenen Indikation, und die Genehmigung durch die Krankenkasse. Telemedizin löst nicht alles, aber sie spart Wege, beschleunigt die Abstimmung und bündelt Erfahrung. Der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Anbieter sind dabei handfeste Dinge: wie sauber die Indikation geprüft wird, wie gut die Dokumentation für die Kasse ausfällt, welche Produkte verfügbar sind, und wie verlässlich die Nachsorge läuft.

Ich arbeite seit einigen Jahren an der Schnittstelle von Versorgung, Kostenträgern und Apotheken. Die kurze Version: Ja, online geht es, und für viele Patientinnen ist es die pragmatischste Route. Aber es hängt davon ab, ob deine Diagnose passt, welche Vorerfahrung vorliegt, und ob die Praxis wirklich Cannabis-Kompetenz hat, statt nur “Videosprechstunde” anzubieten.

Was online realistisch ist, und was nicht

Telemedizin darf in Deutschland Rezepte ausstellen, auch für Cannabis als Medizin nach § 31 Abs. 6 SGB V. Die Ärztin muss die Sorgfaltspflicht erfüllen: Anamnese, Einordnung der bisherigen Therapien, Prüfung von Kontraindikationen, Aufklärung über Risiken wie Sedierung, psychotische Episoden bei entsprechender Disposition, Wechselwirkungen mit Benzodiazepinen oder Alkohol. Für Kassenrezepte brauchen gesetzlich Versicherte in der Regel eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse. Privatversicherte rechnen gemäß Tarif ab, häufig ohne separate Genehmigung.

Was geht online gut:

    Erstgespräche inklusive strukturierter Anamnese, Sichtung von Befunden und Medikation, Indikationsprüfung, Besprechung von Darreichungsform und Startdosierung.

Was bleibt offline oder halb-offline:

    Manche Praxen verlangen eine Identprüfung per PostIdent oder eID. Urin- oder Blutkontrollen sind selten, werden aber in Einzelfällen angeordnet, vor allem bei Komorbiditäten. Physische Rezepte: E-Rezepte für Cannabis sind technisch möglich, aber die Anbindung variiert. Einige Anbieter senden ein rosa Kassenrezept oder ein Privatrezept per Post an deine Wunschapotheke. Andere arbeiten mit Partnerapotheken und digitalem Rezepttransfer.

Indikationen, bei denen Telemedizin erfahrungsgemäß hilft

Telemedizinische Spezialpraxen sind besonders routiniert bei Diagnosen mit guter Evidenz oder etabliertem Off-Label-Einsatz. In der Praxis sehe ich vier Cluster:

    Chronische Schmerzen, vor allem neuropathische Schmerzen, Spastik bei MS, Schmerzen nach Wirbelsäulenoperationen oder Polyneuropathie. Cannabis wirkt nicht wie ein Schalter, eher wie ein Dimmer. Wenn vorherige Therapien nur schlecht gewirkt oder starke Nebenwirkungen hatten, prüfen die Kassen eher wohlwollend. Appetit- und Gewichtsverlust, Übelkeit unter Chemotherapie oder bei HIV. Hier gibt es solide Begründungen, Dosierungsprotokolle sind klar, und Kliniken dokumentieren oft bereits Refraktärität auf Standardtherapien. Tourette und ADHS bei Erwachsenen, jeweils selektiv. Hier sind die Kassen kritischer, die Praxis muss sauber begründen, und es hilft, wenn eine Facharztmeinung vorliegt. Schlafstörungen, Angststörungen, PTSD, Migräne. Möglich, aber heterogene Evidenz. Für Kassenübernahme zählt eine dokumentierte Therapiesäule mit Leitlinienmaßnahmen, Psychotherapie- und Pharmaversuchen, und eine nachvollziehbare Nebenwirkungs- oder Wirkarmutshistorie.

Wenn du gar keine Vorbefunde hast, wird es schwer. Das ist kein Ausschluss, aber dann geht es eher um Privatrezept, engmaschige Dokumentation und eventuell späterer Wechsel auf Kasse mit belastbaren Verlaufsdaten.

Wie der Antrag wirklich durchgeht: die drei Dokumente, die zählen

Hier stolpern viele: Die Krankenkasse genehmigt nicht, weil etwas “fehlt”. Streng genommen braucht es drei Dinge, die zusammenpassen.

    Ein konsistenter Behandlungsverlauf: Auflistung vorheriger Therapien mit Dauer, Dosis, Nebenwirkungen, Abbrüchen und ärztlicher Begründung. Zwei bis vier gut dokumentierte Vortherapien sind üblich, bei Schmerzen oft inklusive NSAR, Antikonvulsiva, Antidepressiva, ggf. Opioide. Eine Indikationsbegründung mit Zielparametern: Nicht “besser schlafen”, sondern “Reduktion der Schmerzintensität um 2 Punkte auf NRS, mehr als 4 Nächte pro Woche Schlafdauer über 6 Stunden, 30 Prozent weniger Migränetage”. Telemedizin-Anbieter, die diese Zielwerte vorgeben, sparen dir Monate. Ein Therapiekonzept: Start mit Blüten oder Extrakt, THC/CBD-Verhältnis, Titrationsplan, Maximaldosis, Monitoring, Fahrfähigkeitshinweis. Wer das auf einer Seite klar formuliert, bekommt signifikant öfter eine Freigabe.

Erfahrene Online-Praxen kennen die Fallstricke. Ich sehe Genehmigungsquoten je nach Indikation und Dokumentlage zwischen grob 40 und 80 Prozent. Bei onkologischen Indikationen höher, bei ADHS deutlich darunter.

Der Telemedizin-Markt: Woran du seriöse Anbieter erkennst

Der Markt bewegt sich schnell, Namen kommen und gehen. Ich nenne hier bewusst keine vollständige Rangliste mit starren Platzierungen, weil Verfügbarkeit, Ärzteteam und Apothekenpartner sich ändern. Wichtiger ist eine Checklogik, die du auf jede Website anwenden kannst.

    Ärztliche Qualifikation und Spezialisierung: Gibt es klare Angaben zu Fachrichtungen, Cannabis-Erfahrung, Fortbildungen? Eine Handvoll Ärztinnen, die schon länger im BfArM-Umfeld arbeiten, ist ein gutes Zeichen. Reine “Allgemeinmedizin ohne Cannabis-Schwerpunkt” führt oft zu schwächerer Begründung. Transparente Prozesse und Kosten: Erstgesprächpreis, Folgerezeptkosten, Abrechnungswege mit GKV/PKV, zusätzliche Gebühren für Rezeptversand. Seriöse Anbieter nennen Zahlen. Als grobe Orientierung liegen Erstgespräche für Selbstzahler im Bereich 80 bis 180 Euro, Folgetermine 40 bis 120 Euro. Kassenärztliche Abrechnung ist möglich, aber nicht jeder Anbieter hat KV-Zulassung. Indikationskriterien und Ausschlüsse: Gute Praxen sagen offen, was sie nicht machen, zum Beispiel aktive Psychosen, schwere kardiovaskuläre Risiken, ungeklärter Substanzgebrauch. Wenn “alle willkommen” suggeriert wird, ist Vorsicht angebracht. Dokumentenhandling: Sichere Uploads, strukturierte Anamneseformulare, Vorlagen für Kassenanträge, klare Fristen. Frage aktiv nach, ob sie beim Widerspruch unterstützen, falls die Kasse ablehnt. Rezept- und Apothekenanbindung: Können sie E-Rezept an deine Stammapotheke senden? Falls nicht, wie zuverlässig ist die Partnerapotheke und wie lange dauern Lieferungen? Seriöse Anbieter nennen Lieferfenster in Tagen, nicht “bald”.

Diese Kriterien sind praxiserprobt. Ich habe zu oft erlebt, dass Patienten an einem Anbieter hängengeblieben sind, nur weil der erstbeste Google-Treffer gut wirkte, am Ende aber keine KV-Zulassung hatte und https://potzprl189.theglensecret.com/cannabis-rezept-online-beantragen-haufige-fehler-und-wie-du-sie-vermeidest-1 die Kasse die Arztkosten nicht übernahm.

Blüten, Extrakte, Dronabinol: Was sich online leichter steuern lässt

Telemedizin erleichtert die Titration, wenn die Ärztin klar strukturiert. Zwei pragmatische Pfade haben sich bewährt:

    Titration mit standardisierten Extrakten: Start mit niedriger THC-Dosis, oft 2,5 mg abends, dann langsame Steigerung um 1 bis 2,5 mg alle 2 bis 3 Tage, abhängig von Sedierung und Symptomdruck. CBD als Gegengewicht bei Unruhe. Extrakte sind besser für reproduzierbare Dosen und Fahrfähigkeitseinschätzung. Für die Kasse wirkt es evidenznäher. Blütentherapie mit Vaporizer: Für Patienten mit Schmerzdurchbrüchen oder Migräneattacken funktioniert das schnell und planbar. Pflicht ist eine saubere Einweisung und ein Medizinprodukt-Vaporizer. Online-Praxen, die das Schulungsmaterial strukturiert mitliefern, verhindern die typischen Überdosierungen der ersten Woche.

In beiden Fällen hilft ein digitales Symptomtagebuch. Gute Anbieter integrieren das oder empfehlen Apps, die Scorewerte erfassen. Für die Verlängerung und die Kasse ist das Gold wert.

Recht und Verkehr: Das Thema, das gerne unter den Tisch fällt

Die juristische Seite ist kein Randthema. Ärztinnen müssen aufklären, Patientinnen müssen verstehen, wann sie fahren dürfen.

    Fahren: Eine Dauermedikation mit THC schließt das Fahren nicht per se aus, aber nur bei stabiler Einstellung, ohne akute Rauschwirkung. Anfangs- und Dosissteigerungsphasen sind tabu. Ein dokumentierter Fahrtauglichkeits-Hinweis in der Akte ist sinnvoll. Wer beruflich fährt, sollte das vorab arbeitsrechtlich klären. Arbeit und Tests: In sicherheitsrelevanten Jobs gelten oft 0-Toleranz-Politiken. Rezept hin oder her, die innerbetriebliche Regel schlägt die persönliche Einschätzung. Telemedizin-Praxen, die das offen ansprechen, sparen dir Ärger. Einfuhr und Reisen: In der EU gelten Betäubungsmittelregelungen mit Schengen-Bescheinigung, die die Ärztin ausfüllt, dann durch die Behörde bestätigt wird. Telemedizin kann das vorbereiten, die Bestätigung bleibt ein Amtsgang. Außerhalb der EU ist es uneinheitlich, oft schlicht nicht möglich.

Szenario aus der Praxis: Chronische Rückenschmerzen, Bürojob, Pendeln mit dem Auto

Anna, 38, arbeitet im Vertrieb, fährt täglich 40 Kilometer. Bandscheibenvorfall vor drei Jahren, zwei Infiltrationen, Physiotherapie, klassische Analgetika, Amitriptylin wegen neuropathischer Komponente, jeweils mäßiger Effekt, starke Mundtrockenheit und Müdigkeit. Sie will nicht dauernd in die Praxis fahren, weil die Arbeitszeiten eng sind.

Online bucht sie ein Erstgespräch bei einer spezialisierten Telemedizin-Praxis. Vorab lädt sie MRT-Befunde, einen Arztbrief des Orthopäden und eine Medikamentenliste hoch. Im Termin wird klar, dass Schmerzspitzen abends und nachts auftreten und tagsüber Funktionseinbußen vor allem bei langem Sitzen. Die Ärztin schlägt einen Extrakt mit 2,5 mg THC abends vor, plus CBD tagsüber bei Anspannung, mit Steigerungsschritten im 3-Tage-Rhythmus. Zielwerte werden festgehalten: NRS von 7 auf 4, fünf Nächte pro Woche über 6 Stunden Schlaf, Reduktion von Ibuprofen auf Bedarfsdosis unter dreimal pro Woche. Fahrhinweis: Kein Fahren während Titration, Wiedereinstieg frühestens nach 2 Wochen stabiler Dosis und ohne akute Rauschwirkung.

Die Praxis erstellt den Kassenantrag inkl. Vortherapieauflistung. Nach zwei Wochen kommt eine Rückfrage der Kasse, die Praxis liefert ergänzend eine kurze Facharztstellungnahme, die Anna vom Orthopäden bekommt. Genehmigung erteilt. Nach sechs Wochen liegen Symptomtagebuch und Nebenwirkungsprotokoll vor, die Dosis bleibt moderat. Anna fährt wieder, weil sie unter der Erhaltungsdosis keine psychoaktiven Effekte wahrnimmt, und dokumentiert das im Verlaufsgespräch. Ohne Telemedizin hätte sie für diese drei Kontakte und Dokumentenrunden vermutlich vier halbe Tage freinehmen müssen.

Wie du deinen Antrag sauber vorbereitest

Eine Stunde Vorbereitung spart oft vier Wochen Pingpong mit der Kasse. Diese kurze Checkliste hat sich bewährt:

    Zwei bis vier Vortherapien mit Wirkstoffen, Dosen, Dauer, Nebenwirkungen, Abbruchgründen schriftlich zusammenstellen, inklusive OTC, soweit relevant. Befunde scannen: Facharztbriefe, Krankenhausentlassungen, MRT/EEG-Berichte, psychologische Diagnostik, Schmerztagebuch der letzten 2 bis 4 Wochen. Zieldefinition vor dem Erstgespräch, messbar und realistisch, zum Beispiel “Migränetage von 10 auf 6 pro Monat, Attackenstärke um 30 Prozent niedriger”. Medikamentenliste aktuell halten, inklusive Alkohol- und Nikotinkonsum, pflanzliche Präparate und Schlafmittel angeben. Berufs- und Fahrsituation offenlegen, damit die Ärztin Aufklärung und Dosisplan daran ausrichten kann.

Mehr brauchst du meist nicht. Wer diese fünf Punkte mitbringt, bekommt aus dem Erstgespräch einen tragfähigen Antrag.

Kosten, die dich wirklich betreffen

Selbstzahlerpreise variieren. Online-Anbieter mit klarer Struktur kommunizieren Paketpreise. Aus meiner Erfahrung bewegen sich die Ersttermine häufig im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Folgekontakte liegen niedriger. Dazu kommen Rezeptgebühren und gegebenenfalls Versand. Für Kassenpatientinnen mit Genehmigung trägt die GKV die Cannabistherapie, Zuzahlungen sind produktabhängig. Ohne Genehmigung bleibt Privatrezept, hier liegen die monatlichen Kosten je nach Produkt grob zwischen 120 und 400 Euro, bei hoch dosierten Blütentherapien auch darüber. Wer sein Budget im Blick behalten muss, fährt mit standardisierten Extrakten oft planbarer.

Ein heimlicher Kostentreiber sind Fehlversuche. Wenn die Titration unsauber ist und nach drei Wochen frustriert abgebrochen wird, hat man 150 bis 300 Euro verbrannt, ohne Lerneffekt. Gute Telemedizin-Praxen planen bewusst kleine Schritte und kurze Follow-ups, damit das nicht passiert.

Unterschiede zwischen Anbietern, die auf den zweiten Blick sichtbar werden

Die Websites sehen alle gut aus. Die Unterschiede liegen im Betrieb:

    Responsezeiten: Wie schnell bekommst du einen Ersttermin, und wie schnell reagieren sie auf Kassenrückfragen oder Nebenwirkungen? Ein Arbeitstag ist gut, 3 bis 5 Tage noch akzeptabel. Alles darüber macht die Versorgung zäh. Widerspruchsmanagement: Wird im Ablehnungsfall aktiv unterstützt, mit Nachbesserung der Begründung und ggf. Facharztstatement? Manche Anbieter haben dafür Templates, andere überlassen es dir. Produktbreite: Haben sie Erfahrung mit spezifischen Extrakten und mehreren Blütensorten, inklusive THC/CBD-Varianten? Wer nur ein bis zwei Produkte kennt, gerät an Grenzen. Fahrfähigkeitsschulung: Wird konkret besprochen, nicht nur abstrakt? Ein Merkblatt mit “nicht fahren, wenn Sie sich berauscht fühlen” reicht nicht. Besser ist eine abgestufte Empfehlung mit Zeithorizont nach Einnahme, zum Beispiel “bei dieser Dosis mindestens 6 Stunden bis zum potenziellen Fahren warten, erste 14 Tage komplett verzichten”. Daten und Nachweise: Bieten sie Symptomtagebuch, PROMs wie NRS, PSQI oder HIT-6, und exportieren die Werte für Kassenverläufe? Wenn ja, steigen die Chancen auf Verlängerung und sichere Steuerung.

Wenn du zwei Anbieter shortlistest, frage genau diese Punkte vorab per Mail. Die Antworten sagen dir mehr als jede “Top 10”-Liste.

Sicherheit, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen: Was online gut handhabbar ist

Cannabis ist nicht harmlos, aber gut kontrollierbar, wenn die Dosis langsam steigt und Komorbiditäten berücksichtigt werden. Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, gelegentlich paradoxe Unruhe. Wechselwirkungen gibt es, vor allem mit zentral dämpfenden Substanzen und CYP3A4/CYP2C9-Interaktionen. In der telemedizinischen Anamnese fallen diese auf, wenn die Medikamentenliste vollständig ist. Heikle Fälle sind unbehandelte Psychosen, schwere Herzrhythmusstörungen, Schwangerschaft und Stillzeit, und Substanzgebrauchsstörungen. Gute Online-Praxen lehnen solche Fälle ab oder verweisen an Präsenzstrukturen.

Was ich in der Betreuung öfter sehe: Zu schneller Einstieg mit Blüten, dann zwei, drei schlechte Erfahrungen, und der Patient ist verbrannt. Wer stattdessen mit niedrigen Extraktdosen beginnt und später, wenn nötig, eine kleine Inhalationskomponente ergänzt, hat die besseren Karten. Das lässt sich online gut steuern.

Produkt- und Lieferlogistik: Das unterschätzte Nadelöhr

Du hast das Rezept, aber die Apotheke hat dein Produkt nicht. Das kommt vor. Importchargen schwanken, und manche Sorten sind kurzzeitig knapp. Telemedizin-Anbieter mit Partnerapotheken umgehen das oft, dafür bist du an diese Lieferkette gebunden. Vorteil: schnellere Verfügbarkeit und abgestimmte Dosierungsberatung. Nachteil: weniger Preisvergleich und manchmal längere Postlaufzeiten.

Was praktisch hilft:

    Vorab klären, ob deine Stammapotheke Cannabis führt und E-Rezepte empfangen kann. Wenn nein, früh auf Partnerapotheke umschwenken und Lieferzeiten erfragen. Wenn du auf eine bestimmte Sorte eingestellt bist, bitte um frühzeitige Rezeptverlängerung, 7 bis 10 Tage vor Ende. Online geht das fix, wenn die Dokumentation stimmt. Erwarte leichte Chargenschwankungen, vor allem bei Blüten. Viele Patientinnen merken kaum Unterschiede, manche aber schon. Kleine Dosisanpassungen sind dann normal.

Häufige Fehler, die dich Wochen kosten

Ich sehe drei Klassiker:

    Unvollständige Vortherapiedokumentation, oft nur “Tabletten halfen nicht”. Das ist dünn. Notiere Dosis und Zeitraum. Drei Sätze mehr sparen eine Kassenrückfrage. Unklare Ziele. Ohne Zielwerte kannst du Wirkung schwer belegen. Ein NRS, ein Schlafscore, oder Migränetage reichen als Start. Fehlende Fahrplanung. Wenn du beruflich fahren musst, plane die Titration in eine Woche mit weniger Fahrten, nutze Homeoffice, und kommuniziere das im Erstgespräch. Dann bekommst du einen realistischeren Plan.

Ein realistischer Ablauf, Woche 0 bis 12

    Woche 0: Erstgespräch, Indikation, Zielwerte, Kassenantrag. Wenn Privat, Start mit niedrig dosiertem Extrakt, Rezept geht an Apotheke. Woche 1 bis 2: Titration, Symptomtagebuch, kein Autofahren. Erste Nebenwirkungen abfangen, Dosis anpassen. Kurze telemedizinische Kontrolle, 10 bis 15 Minuten reichen. Woche 3 bis 4: Stabilisierung, ggf. Ergänzung um CBD oder kleine Blütendosis für Durchbruch. Bei GKV: Rückfragen der Kasse beantworten. Woche 5 bis 8: Evaluationsgespräch, Vergleich mit Zielwerten, Feintuning. Wenn genehmigt, Umstellung von Privat auf Kasse möglich, sonst Entscheidung: weiter privat oder Widerspruch. Woche 9 bis 12: Konsolidierung, Fahrfähigkeit dokumentieren, Rezeptverlängerung. Plan für die nächsten 3 Monate festlegen.

So sieht es aus, wenn es rund läuft. Natürlich gibt es Ausreißer, zum Beispiel Verzögerungen durch Apotheken oder Nachforderungen der Kasse.

Wann Telemedizin nicht die beste Wahl ist

Wenn du komplexe Komorbiditäten hast, insbesondere schwere psychiatrische Erkrankungen, oder wenn der Verdacht auf substanzbezogene Störungen besteht, ist eine Präsenzstruktur mit multiprofessionellem Team überlegen. Auch bei unklarer Diagnose, die erst noch gesichert werden muss, also bevor es überhaupt um Cannabis geht, macht eine Facharztpraxis vor Ort Sinn. Telemedizin kann später übernehmen, wenn die Weichen gestellt sind.

Zweiter Fall: Du brauchst ein ärztliches Gutachten für die Fahrerlaubnis oder bist in einem arbeitsrechtlichen Konflikt. Diese Themen gehören in Präsenz mit vollständiger Aktenlage, nicht in eine 20-Minuten-Videosprechstunde.

Orientierungshilfe bei der Anbieterwahl

Wenn du heute starten willst, geh so vor:

    Prüfe, ob der Anbieter KV-Zulassung hat oder klar benennt, wie GKV-Fälle abgerechnet werden. Wenn unklar, frag schriftlich. Du willst eine belastbare Aussage, keine Marketingfloskel. Lies die Indikationsliste. Wenn sie deine Indikation nennt und auch Ausschlüsse aufführt, ist das ein gutes Zeichen. Fehlt beides, ist das dünn. Frage nach der durchschnittlichen Zeit von Erstkontakt bis Rezept. Realistische Spanne: 2 bis 7 Tage für Privatrezept, 2 bis 6 Wochen bis GKV-Start. Kläre Rezeptweg und Apotheke: E-Rezept möglich, Versanddauer, Partnerapotheke ja oder nein. Bitte um ein konkretes Lieferfenster in Tagen. Bitte um ein Beispiel für die Zielwertdokumentation. Wenn sie dir eine strukturierte Vorlage schicken, hast du deinen Favoriten wahrscheinlich gefunden.

Was sich 2026 abzeichnet

Die technische E-Rezept-Infrastruktur verbessert sich, aber Cannabis hängt an Sonderregeln, die Implementierung ist noch nicht überall glatt. Ich rechne damit, dass mehr Telemedizin-Praxen echte E-Rezept-Flows anbieten, inklusive nahtloser Übergabe an freie Apotheken. Die Kassen schauen genauer auf Verlaufsdaten, weniger auf formale Hürden. Wer seine Scores sauber führt, hat Vorteile.

Auf der Produktseite bleibt es gemischt: Extrakte werden standardisierter, Blüten schwanken weiter leicht nach Charge. Der Trend geht zu niedrigeren Einstiegsdosen und kombinierten Regimen. Das passt zur Telemedizin, weil Feintuning im 10-Minuten-Call möglich ist.

Fazit in Klartext

Ein Cannabis-Rezept online zu beantragen ist machbar, wenn die Indikation stimmt, die Dokumente sitzen und der Anbieter wirklich spezialisiert ist. Du brauchst keine perfekte Patientengeschichte, aber du brauchst Struktur: Vortherapien, Ziele, ein pragmatischer Dosisplan und klare Kommunikation zu Fahren und Arbeit. Gute Telemedizin-Praxen liefern dir diese Struktur, unterstützen den Kassenantrag und reagieren zügig. Schlechte verbrennen deine Zeit mit hübschen Oberflächen und schwammigen Prozessen.

Wenn du das Heft in die Hand nehmen willst: Sammle deine Unterlagen, definiere zwei, drei messbare Ziele, suche dir einen Anbieter mit Transparenz und Erfahrung, und plane die ersten zwei Wochen so, dass du nicht fahren musst. Dann stehen die Chancen gut, dass du in 2 bis 8 Wochen dort bist, wo du hinwillst: mit einer wirksamen, tragfähigen Cannabistherapie und weniger Reibung im Alltag.